Hauptseite -> Technik --> Der Kompaktregler (hier Hydromat)

CG45, der älteste Kompaktregler Zweischlauch-Regler oder auch Kompaktregler, so genannt, weil alle Regelei (1. und 2. Stufe oder auch nur eine Stufe) kompakt in einem Gehäuse vereinigt ist, waren die ersten breit eingeführten Atemregler für das autonome Schwimmtauchen (SCUBA).
Der links abgebildete Regler ist der legendäre CG45, der 1945 von Cousteau und Gagnan als erster alltagstauglicher Regler auf den Markt gebracht wurde.
Vom am Flaschenventil befestigten Regler, der in ein oder zwei Stufen auf den Umgebungsdruck runterregelt, geht der Einatemschlauch zum Mundstück. Die Ausatemluft wird durch den zweiten Schlauch zurück zum Reglertopf geblasen und verlässt ihn über das Ausatemventil (auf dem Rücken des Tauchers).

Der CG45 war ein zweistufiger Regler, der einem industriellen Gasregler für Kfz-Holzvergaser nachempfunden war. Und bei dem waren eben erste und zweite Stufe sinnvollerweise in einem Gehäuse. Außerdem kam das große Gehäuse den technologischen Möglichkeiten der 50er entgegen. Die schon lange verwendeten O2-Tauchretter mit ihrem Mundstück und zwei Schläuchen mögen auch eine Kerbe geschlagen haben, der man folgte.   Und der Ausatemschlauch, der die lauten Blasen nach hinten wegführte, war ja wirklich ein Vorteil.

Im genialen Nachfolger des CG45, dem Mistral, wurde der kompakte Aufbau konsequent genutzt, indem in einer Stufe von HD auf Umgebungsdruck umgesetzt wurde, was ja nur im Kompaktregler möglich ist. Dieser Regler war so einfach, preiswert und trotzdem leistungsfähig, dass sein Prinzip von vielen anderen Herstellern weltweit, lizenziert oder nicht, verwendet wurde.

Trotzdem wurden auch die zweistufigen 2-Schlauchregler immer weiter entwickelt (USD, Voit, Nemrod, Dräger, MEDI,...), da sie gute Detailmöglichkeiten für eine immer leistungsfähigere Luftversorgung boten. Ein solcher Automat, der MEDI Hydromat, soll im weiteren näher betrachtet werden.

Und naja, schon 1952 brachte ein schlauer Australier den ersten stufenmäßig getrennten Regler auf den Markt, der den Atemkomfort von der Trimmlage des Tauchers deutlich unabhängiger machte und so ein ''einfacheres'' Tauchen ermöglichte. Dieses Prinzip verdrängte in der 70ern die Kompakten fast komplett vom Markt.

Heute werden noch einer und zwei halbe Kompaktregler hergestellt, der Mentor von USD (oberes Bild) als vollwertiger neuer Kompaktregler, der aber wohl kaum in zivilen Händen zu finden ist, der Phoenix-Aquamaster, der ein Zwitter aus dem guten alten USD-Aquamaster und einem neuen HD-Anschlussteil (Phoenix Nozzle) ist und der Mistral2 von Aqualung, der aus den  leicht modifizierten Stufen eines 1-Schlauch-Reglers und Rebreather-Faltenschläuchen mit Mundstück zusammengesetzt und damit zwar ein 2-Schlauch- aber kein Kompaktregler ist.

USD-Mentor
USD-RoyalAquamaster mit Phoenix-Nozzle
Aqualung Mistral2

Komplett ausgerüstet für den TG in der Havel!Der 2-Schlauch-Regler (Kompaktregler) Hydromat 62004 ist ein Produkt des VEB Medizintechnik Leipzig (MEDI, Einführung 1963) und wurde bis in die 80er Jahren breit in der Volksmarine, der NVA und der GST in der DDR eingesetzt, meist an den Hydromat-PTGn 6202x mit einer, zwei oder drei 7-l-Pressluftflaschen (Verbindungsbrücken, HD-Abgang für Finimeter in ein Flaschenventil integriert, meist an dieser Flasche auch Reserveschaltung, Begurtung an den Flaschenschellen).
1966 wurde die zweite Stufe nochmal überarbeitet (siehe Querschnittsbilder unten).
Erst in der letzten Edition (etwa 1980) ist noch ein verbessertes Modell gefertigt worden, das um einen drehbaren Mitteldruck-Port erweitert worden war (siehe auch Bilder unten), um einen Inflator und/oder Zweitregler anzuschließen.
Die Konfiguration bediente (zunächst) keinen Inflator, verwendete Trockentauch-Anzüge (z.B. Pinguin) wurden ohne(!) Lufteinlassmöglichkeit betrieben, so daß Mitteldruckabgänge nicht nötig waren (Auah!).
Hydromat in der stabilen Transportkiste Mit VGM... sehr angenehm!
Konfiguration von oben Tarierhilfen wurden ebenfalls kaum verwendet, da Neopren als Wärmeschutz (und mit Auftrieb) ohnehin wenig zur Verfügung stand.

Der Hydromat ist Nachfolger des legendären 1-stufigen 2-Schlauch-Reglers MEDI 713, genannt der Saugnapf.
1970 wurde die Familie durch den 1-Schlauch-Regler Hydromat 66 (62017) ergänzt, der die Atemqualitäten und Robustheit des kompakten 2-Schlauch-Reglers aber nicht erreichen konnte.
ohne Regler Der Hydromat 62004 ist ein membrangesteuerter kompensierter 2-stufiger Regler mit kompakter 1. und 2. Regelstufe. Er ist mit einem DIN-Anschluss 5/8inch für 200-bar-Flaschen versehen.

Achtung!

Der Hydromat-Regler von MEDI hat keine TÜV-Zulassung und kein CE-Zeichen nach EN.

Vor seiner Nutzung muß hier also ausdrücklich gewarnt werden. Es besteht akute Lebensgefahr!

Link zu genauerer Schnittzeichnung
Ältere Bauform mit etwas anders aufgebauter 2. Stufe (1963-66)
Klick auf's Bild zeigt Querschnitt und Foto

Äußerlich waren kaum Unterschiede zwischen der alten (Bild oben) und neuen Version zu erkennen.

Die älteren Regler hatten die Prägung MEDI im Deckel und waren hochglanz-verchromt,
die neueren hatten die Prägung MLW (Kombinat Medizin- und Labor- und Wägetechnik) und waren mattverchromt.

Im Inneren erkennt man die ältere Form sofort an dem im Zentrum der Hauptmembran ansetzenden Steuerhebel im Gegensatz zum neueren gabelförmigen und an der nicht einfach runden Verstärkungsplatte der Membran (siehe Foto).

Link zu detaillierter Darstellung
Meist produzierte Ausführungsform 62004 G01 (1966-82)
Für die letzten ...zig Automaten hat MEDI es etwa 1980 geschafft, sich etwas an modernere Bedürfnisse anzupassen, nachdem der Automat über Jahre fast unverändert produziert wurde.
Als geradlinige Fortführung des Mitteldruck-Ventilkanals wurde ein Gewindeansatz durch die Gehäuseunterschale "gesteckt", auf den ein unter Druck drehbarer (!) MD-Port mit radial dichtendem 0-Ring geschraubt wird. Der Port hat für den Schlauchanschluss sogar fast ein Gewinde UNF 3/8", aber eben nur fast :-((. Die Gewindesteigung stimmt nicht genau mit UNF 3/8" überein. Aber mit Geduld und Öl kann man den Port als Gewindeschneider benutzen und einen heute üblichen UNF-Schlauchstutzen etwas "nachziehen."
Damit erhält man die wunderbare Möglichkeit; eine zweite 2. Stufe und einen Inflatorschlauch anzuschließen (siehe Heutige Nutzung).
Letzte Edition mit Fini-Anschluß und verbessertem Handrad, Klick für großes Bild
Mitteldruckport des HydromatUnverständlicherweise wurde bei dieser _Neukonstruktion_ das Ventil der 2. Stufe um 90° vom Einatemstutzen weggedreht, wodurch der leichte Injektoreffekt verloren geht, der durch die Lage des Ventils direkt vor dem Stutzen entstand. Der neuere Regler atmet sich imho subjektiv auch wirklich schwerer als der alte.
Außer dem übervulkanisierten Handrad gibt es sonst keine weiteren Neuerungen gegenüber dem Vorgänger-Modell 62004.
Ein Finimeter fehlt immer noch, aber die nostalgische Reserveschaltung tut's bei den Einfach-Tauchgängen, die man heute noch mit dem Veteranen macht, natürlich auch.

Der Regler lässt sich sehr leicht atmen (siehe  Atemwiderstandsdiagramm rechts im Vergleich mit dem französischen Mistral und dem sowjetischen Ukraina, beides einstufige Automaten), wenn man die Lage-Problematik beachtet (siehe Diskussion/FAQ).

Durch die Rückleitung der warmen Ausatemluft auf das metallische und damit gut wärmeleitfähige Gehäuse ist der Regler extrem vereisungssicher.

1hydroma2.jpg (100787 Byte)

Faltenschlauch

Auch bei einem 2-Schlauch-Automaten oder besser Kompaktregler sind Schläuche, Ventile,... von einiger Wichtigkeit für das Wohlbefinden von Automat und Taucher.
Die Einatemluft gelangt über einen Faltenschlauch, der an Backbord an ein massives Metall-Mundstück (1) geschraubt wird, zum Taucher.
Schläuche vom Royal, MEDI und Mistral

Royal

Hydromat

Mistral

Der Falten-Schlauch ist etwa 50cm lang, die beiden Enden haben gleiche Durchmesser von etwa 25mm (~1inch). Die Original-MEDI-Schläuche haben relativ grobe Falten und sind ziemlich steif. Man kann sie problemlos durch die feinrippigen Schläuche des Aqualung Royal Mistral ersetzen, wodurch das Mundstück angenehmer zu halten ist, es ist aber halt nicht das Original...
TellerventilFlatterventilDas Mundstück enthält zwei gleichsinnig geschaltete Tellerventile (2, Aquastopp).
Die Ventile erhöhen den Ein- und Ausatem- Widerstand etwas, ohne sie würde aber die Gefahr bestehen, die eigene Ausatemluft wiederholt und so mit steigendem CO2-Anteil einzuatmen (Pendelatmung). Zum anderen wird durch sie verhindert, dass der Einatemschlauch voll Wasser läuft, wenn man das Mundstück aus dem Mund nimmt.

Statt des Mundstücks kann auch eine Vollgesichtsmaske eingesetzt werden, in die man allerdings, unbedingt Ein- und Ausatemventil einbauen sollte.
Die Ventilkörper bohrt man einfach mit Kreisschneider und Forstner-Bohrer aus einer PE-Platte, bohrt noch möglichst große Durchgangslöcher, setzt einen Messingnagel und ein Stück Flachgummi ein. Das Ganze steckt man in die Metallstutzen.

VGM von MEDI Masken-Ventile
Die VGM sitzt sehr gut, hat in der Standardausführung allerdings kein Klappfenster. Also Aufdrehen der Flaschenventile nicht vergessen ;-))

Die Ausatemluft wird aus dem Mundstück nach Steuerbord über einen zweiten Schlauch zur Oberschale des Reglers zurückgeführt, wo sie das Reglergehäuse erwärmt und über ein Entenschnabelventil mit nicht störenden Blasen nach oben entweicht.
Die originalen Ausatemventile (oberes Bild) sind praktisch nicht mehr zu bekommen und waren schon früher von schlechter Gummiqualität.
Auch hier kann man aber problemlos die Ventile vom Mistral (USD oder Aqualung) einsetzen (unteres Bild)

Prinzip des Entenschnabel-Ausatem-Ventils originaler MEDI-Entenschnabel
2entenschnabel.jpg (7114 Byte)
Der Regler war (zumindest in der GST) nur für eine maximale Tiefe von 20m zugelassen, wurde von uns aber auch schon ohne Probleme bis 50m getaucht, wobei das natürlich unser persönlicher Spaß war und keineswegs zu empfehlen ist.
Gewöhnen muß man sich an den lageabhängigen Atemwiderstand. Diskussion 2-Schlauch / FAQ

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