Tauchtechnik wurde in der
1949 aus der sowjetischen Besatzungszone gegründeten DDR
(Deutsche Demokratische Republik) in Leipzig unter den Firmenmarken MEDI bzw.
später MLW hergestellt.
Dafür gab es dort allerdings keine direkten Traditionen. Aber der dominierende
Hersteller von Tauchgerätschaften in Deutschland vor dem zweiten Weltkrieg war nun mal
Dräger in Kiel gewesen. Und diese Firma war jetzt in der BRD (Bundesrepublik
Deutschland), die auch 1949 aus den Zonen der westlichen Besatzungsmächte gebildet worden
und auf einmal ein anderer Staat war. Die DDR bemühte sich, mal mehr, mal weniger, von
der westdeutschen Wirtschaft unabhängig zu werden und wollte/musste weitgehend ohne
Importe aus dem Westen auskommen.
Dies geschah einerseits aus ökonomischen Gründen, man hatte nicht genug ''harte
Devisen'' für den Import. Andererseits hatte diese Technik eine gewisse militärische
Bedeutung und unterlag damit dem im Kalten Krieg von den Westmächten verordneten
Lieferembargo.
--> Tauchtechnik wurde innerhalb des sozialistischen Lagers auch
nicht von anderen Ländern angeboten, zumindest nicht in ausreichender Menge. Also musste
man in der DDR selbst etwas aus dem Boden stampfen, zunächst natürlich für den
militärischen und professionellen Bedarf.
Feinmechanische und
medizintechnische Produktion gab es in Leipzig. 1948 waren mehrere Firmen
durch staatliche Verordnung zum VEB Medizintechnik Leipzig
zusammengeschlossen worden (VEB = VolksEigener Betrieb).
Eine wichtige Firma dabei war die Nitzsche AG. Die geht auf die 1903
gegründete Leipziger Firma Johannes Nitzsche, Kinematographen und Filme, zurück, die
u.a. kinematographische Apparate fabrizierte. Nitzsche (1879-1947) konstruierte selbst
Filmprojektoren (Vitagraph, Saxonia, Matador) und stellte sie mit seiner Firma her (ab
1921 Nitzsche Apparatebau AG).
1933 musste Nitzsche wegen finanzieller Probleme an den Konkurrenten Zeiss Ikon aus
Dresden verkaufen. 1938 kaufte die Kieler Anschütz GmbH die Firma. Nach Kriegsende 1945
erfolgte dann die Sequestrierung (Zwangsverwaltung) durch die SMAD (Sowjetische
Militäradministration), da man kriegswichtige Geräte (u.a. Kreiselkompasse) hergestellt
hatte.
Das waren dann also die Traditionen der Tauchgeräte-Produktion in
Leipzig.
1953 wurde der VEB Medizintechnik
der VVB Optik zugeordnet (VVB = Vereinigung volkseigener Betriebe) und verwendete bis 1969
das Logo MEDI.
1970 bildete sich dann der VEB Kombinat Medizin-, Labor- und
Wägetechnik, und das Logo änderte sich zu MLW. Der VEB
Medizintechnik wurde der sog. Stammbetrieb dieses Kombinates. Die Wägetechnik
verkrümelte sich dann aus der Bezeichnung, das Logo blieb aber so.
Medizin- und Atemschutztechnik bildeten die Schwerpunkte der Produktion des Kombinates,
tauchtechnische Artikel waren nur ein Nebenzweig.
Die konstruktive Entwicklung von Tauchtechnik
lief bei MLW immer auf ziemlich kleiner Flamme. Am liebsten hätte die Verwaltung es ganz
sein gelassen, denn es entstanden keine Exportgüter, die zumindest in den
Entwicklungsländern hätte Devisen einbringen können. Mit der Medizin- und der
Atemschutztechnik sah es da schon anders aus. Aber Tauchtechnik war nun mal LVO-Aufgabe
(LandesVerteidigungsOrganisation), man brauchte einiges für den Einsatz bei Volksmarine
und NVA (Nationale VolksArmee), Die geringe Entwicklungskapazität, die Unsicherheit durch
fehlende Tradition und der Mangel an modernen Materialien und Technologien führten dazu,
dass man nicht zu innovativen Produkten kam. Die Konstrukteure und auch Leute von außen
hatten schon gute Ideen, aber für die Realisierung blieb man lieber auf der sicheren
Seite und empfand bewährte Produkte unter Beachtung der eigenen technologischen
Möglichkeiten nach.
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Links der Draeger PA 61/II,
rechts der Hydromat von MEDI, aber die Umsetzung war immerhin kreativ.
Hauptprobleme waren der Einsatz von Buntmetallen, der galvanische Oberflächenschutz und
moderne Werkstoffe für Dichtungen, Schläuche, Tragegurte usw. |
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Man arbeitete
deshalb möglichst mit Hartgewebescheiben statt Nullringen, mit Takelgarn statt
Kabelbindern und Edelstahl statt verchromtem Messing. Das Ergebnis konnte sich trotzdem
sehen lassen, der Hydromat-Kompaktregler gehört in seiner Klasse meiner Meinung nach zu
den besten. Aber welweit wurde schon mit moderneren Reglern getaucht, als wir
noch mit dem Hydromat unterwegs waren.
Beim Hydromat66 war es dann wieder ähnlich. Die Verwandschaft mit dem Westcousin
Draeger Secor ist nicht zu übersehen.
Hinzu kamen in der DDR auch noch die sehr langen
Entwicklungszeiten bis zur Produktionseinführung einer Idee, bedingt durch
Mangelerscheinungen in Technologie und Materielbereitstellung und auch durch eine
erhebliche Bürokratie. Die Nachentwicklung von schon auf dem Markt befindlichen Produkten
plus diese Verzögerungen verhinderten schon rein zeitlich die Konkurrenzfähigkeit der
Erzeugnisse auf dem Weltmarkt. Tauchtechnik von MLW diente also nur zur Deckung des
Eigenbedarfs in der DDR.
Aber selbst das blieb eine Illusion. Zwischen dem militärischen und professionellen
und dem privaten Bedarf stand in der DDR noch der der GST (Gesellschaft für Sport und
Technik, Ausbildungsorganisation für den Tauchsport) und der Tauchklubs der wichtigen
Industriebetriebe, den ''Zentren der Arbeiterklasse'', und der ''Organe''. Selbst die
litten permanent an Gerätemangel für die Ausbildung. Lehrgänge an den Seesportschulen
wurden nach Verfügbarkeit von Geräten beschickt. Die Ablösung der MEDI713 durch die
Hydomat-Serie zog sich über Jahre hin.
Für den privaten Bedarf von Sporttauchern in der DDR blieb
von dieser Produktion daher kaum etwas übrig. Solche Anzeigen wie nebenstehend konnten
meist nur ein müdes Lächeln erzeugen. Und andere Hersteller für TG gab es nicht. Als
Konsumgut waren sie auch über die anderen sozialistischen Länder praktisch nicht zu
bekommen.
Neben den ökonomischen Zwängen resultierte das aber auch aus dem überzogenen Misstrauen
von Regierungsstellen, das sie auch Segelflugzeugen, Drachen- und Hochseeseglern
entgegenbrachten. Solche Geräte konnten dafür genutzt werden, um die Grenze
zum Westen zu überwinden. Die Relevanz solcher "technischen Republikflucht" in
der Statistik war allerdings verschwindend gering, einige Fälle aber spektakulär.
Was
blieb, war also die private Konkurrenz für MLW, der Eigenbau von Tauchtechnik in ziemlich
großem Maßstab. Das war für viele selbstverständlich und wurde auch in der
Tauchsportzeitung der DDR, der POSEIDON, lange Zeit propagiert (Bild rechts). Gebaut wurde
die gesamte Palette, 2-Schlauch- und 1-Schlauch-Regler, Anzüge, Flossen, Fotoapparate und
Schmalfilmkameras, Kompressoren, Scooter, Orientierungsgeräte,... Es fand auch ein reger
Austausch statt. Woher bloß das ganze Material kam?
MLW hat das alles nicht bewegt. Zu eng waren die Zwänge
durch die zunehmend kollabierende Wirtschaft.
Nach der Wende 1990 wurde das Kombinat MLW
von der Treuhand zerschlagen (Org. zur Abwicklung der volkseigenen Industrie der
untergegangenen DDR). Die Tauchtechnik verschwand komplett in den Schrottpressen.
Kleine Nachfolgebetriebe von MLW sind die Leipziger Firmen Medizintechnik GmbH und
Medizin- und Atemschutztechnik.
1999 stellte die Fraunhofer-Gesellschaft in einem Gutachten im Auftrag der Sächsischen
Regierung fest:
Die Medizintechnik besitzt in Sachsen traditionsgemäß einen hohen
Stellenwert. Bis zum Jahre 1990 wurde der Industriezweig wesentlich durch Großbetriebe
wie Transformatoren- und Röntgenwerk (TUR) Dresden, Medizin- Labor- und Wägetechnik
(MLW) Leipzig und Meßgerätewerk Zwönitz mit insgesamt mehr als 10.000
Beschäftigten geprägt. 1991 betrug die Anzahl der Betriebe in der Medizintechnik knapp
20, bei einer Anzahl von insgesamt 4.200 Beschäftigten. In den folgenden Jahren bis 1995
ist die Anzahl der Beschäftigten auf etwa 1.800 zurückgegangen. Im
Anschluss an die Phase von Privatisierung, Aus- und Neugründungen entwickelte sich die
Medizintechnik bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt zu einer mittelständischen Struktur, die
durch Kleinbetriebe getragen wird.
Tja, aber an Sporttauchtechnik ist ja jetzt kein Mangel... |