DAS FRANZÖSISCHE TAUCHREGLEMENT: PRESSLUFTTAUCHEN
ALLGEMEINES
Das Sporttauchen hat in Frankreich einen erheblich höheren
Stellenwert als in Deutschland, die Zahl der organisierten Sporttaucher /-innen beträgt
ein Vielfaches im Vergleich zur BRD. Bereits seit einigen Jahren ist daher ein Reglement
in Kraft, das die maximalen Tauchtiefen verbindlich vorschreibt. Dieses Reglement hat für
die Basen einen gesetzlichen Charakter.
Beginner in der Ausbildung
zum CMAS *
Beginner in der Ausbildung zum CMAS * - Brevet dürfen
AUSSCHLIESSLICH in Begleitung eines Tauchlehrers bis zu einer Tiefe von MAXIMAL 10 Metern
tauchen.
Inhaber des CMAS * (DTSA
Bronze)
Absolut unabhängig von der weiteren Taucherfahrung
dürfen Inhaber des CMAS * - Brevets AUSSCHLIESSLICH in Begleitung eines Tauchlehrers bis
zu einer Tiefe von MAXIMAL 25 Metern tauchen.
Inhaber CMAS ** (DTSA
Silber)
Auch Inhaber des CMAS ** - Brevets werden unabhängig von
ihrer weiteren Erfahrung reglementiert. Zwar dürfen sie autonom tauchen, jedoch in
Begleitung eines gleich- oder höherqualifizierten Partners nur bis MAXIMAL 25 Meter
Tauchtiefe. In Begleitung eines Tauchlehrers allerdings auch tiefer.
Inhaber CMAS *** (DTSA Gold)
CMAS *** Inhaber werden quasi nicht mehr reglementiert,
jedoch ist IMMER die MAXIMALTIEFE von 40 Metern zu beachten. Wird mit geringer
qualifizierten Partnern getaucht, so ist deren erlaubte Maximaltiefe verbindlich ! (Siehe
oben)
GRUNDSÄTZLICHES:
So hart diese Regeln sind, vor allem für die CMAS * und
** Inhaber, die zahlreiche Tauchgänge in deutschen Baggerseen oder Talsperren absolviert
haben, wir können nichts daran ändern. Sollte bei einem Unfall ein Verstoß gegen die
Regeln nachgewiesen werden, drohen hohe Strafen. Und zwar nicht nur der Basis, sondern
auch und vor allem dem Schiffsführer sowie dem Tauchlehrer ( in der Regel
Freiheitsstrafen ). Ab CMAS ** ist das Mitführen einer Rettungs- und Tarierweste oder
eines Jackets zwingend vorgeschrieben. Ausbilder MÜSSEN einen zweiten Atemregler
mitführen. Zwar ist auch ein Oktopus zulässig, wir empfehlen jedoch einen kompletten
Regler.
Andere Verbände:
Alle Brevets von Verbänden, die der CMAS angegliedert
sind, werden anerkannt, ebenso die von gewerblichen Verbänden, so dieser kommerzielle
Verband in der offiziellen Äquivalenzliste der CMAS genannt wird. Alle anderen Brevets
werden aufgrund der nationalen Gesetze NICHT anerkannt,
abhängig vom Ergebnis des Checktauchganges MUSS dann auf jeden Fall mit Begleitung und
unter Führung durch einen der Clubtauchlehrer getaucht werden.
WICHTIG für alle ist die nationale Vorschrift, daß das TAUCHTAUGLICHKEITSATTEST nicht älter als 1 Jahr (zum Zeitpunkt des letzten Tauchganges während des Aufenthaltes) sein darf !
Kreislaufgeräte:
Es muß ein Anzeige des O2-Gehaltes implementiert sein. (Oxygauge oder ähnliches; bei Tauchgängen tiefer als 20m muß eine Reserveflasche und Automat mitgeführt werden.
Offene Systeme:
Außer bei Schnuppertauchgängen muß bei TG, die tiefer als 6m gehen, die Mindestqualifikation CMAS*** vorliegen.
Technische Daten:
Nitrox ppO2 min 0,17 bar, max 1,4 bar, max N2 5,6 bar
Sauerstoffreine Flaschen und Ventile sind bei Eigenmischungen vorgeschrieben, unabhängig vom Sauerstoffanteil; bei fertig gekauften Gemischen ab pO2 >40%
Auf den Flaschen sind folgende Angaben zwingend vorgeschrieben:
Art des Gases , zulässige Tiefe, gemessene Gemische (2 Analysen)
Bei Flaschenpaketen mit unterschiedlichen Gemischen muß jede Flasche mit einem Finimeter ausgerüstet sein, eine Verbindung der Flaschen darf nicht möglich sein, die Automaten müssen gekennzeichnet und einwandfrei zuordnungsfähig sein.
Das Gemisch muß von 2 verschiedenen Personen geprüft ("Hersteller/Verbraucher") sein.
Buchführung beim Hersteller, Kennzeichnung der Flaschen
Dekompression durch spezielle Tabellen, bei Nitrox auch nach Equivalenztiefe
möglich, entsprechende Computer
Innerhalb einer Tauchgruppe muß das gleiche Gemisch genutzt werden
Die Tiefengrenzen sind gesetzt wie bei Luft (20/40m +evtl. 5m) und max PPO2
Maximaltiefe 80m für Ausbildung Trimix
Maximaltiefe 120m für Tauchgänge Trimix
Die "Gemischqualifikation" ist als eine Ausweitung der normalen Brevets anzusehen.
plongeur Nitrox ab *
plongeur Nitrox confirmé ab **
plongeur Trimix ab ***
Directeur de plongée bis 40 m TL2, darüber TL3 (also bei Trimix-TG)
Der Leiter einer Tauchgruppe (Directeur de plongée) kann Nitrox benutzen und seine Gruppe Luft, wenn die maximale Tiefe am Tauchplatz mit seinem Gemisch zugänglich ist.
Aus aktuellem Anlass hier eine textliche Interpretation des Gesetzes:
Tauchreglement in Frankreich (Arrêté vom 22.Juni 1998) Technische Regeln und Sicherheitsregeln für alle Einrichtungen, die Sporttauchen mit Preßlufttauchgeräten organisieren und praktizieren.
Anders als in allen anderen europäischen Ländern ist in Frankreich das Tauchen mit Preßlufttauchgeräten durch ein Gesetz des Ministers für Jugend und Sport geregelt, das legendäre Arrêté von 1998! Die Einhaltung der Gesetze wird in Zusammenarbeit mit der Affair maritime (der französischen Küstenwache), durch Beamte des Ministeriums "de la Jeunesse et Sport" kontrolliert. i.d.R. ist der Kontrolleur auch Tauchlehrer bei der FFESSM
In diesem Gesetz wird festgelegt wie das Tauchen zu organisieren ist und wie die Tauchgänge durchgeführt werden müssen. Diese Gesetz gilt für alle Vereine und Tauchschulen verbindlich!
Ich möchte in diesem Artikel nur auf das Tauchen im Freigewässer für nicht direkt in Frankreich ausgebildete Sporttaucher eingehen!
In dem arrêté von 1998 ist das Gesetz direkt auf alle CMAS Taucher übertragbar. siehe unten auch Äquivalenz Liste
Directeur de plongèe
Jeder Tauchgang wird von einem "directeur de plongee", der persönlich anwesend sein muß, geleitet. Der "directeur de plongee" ist für die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen, die Gruppeneinteilung, die Auswahl des Tauchgebietes, die Ortsbeschreibung, die Absicherung des Tauchgangs und die Überwachung der einzelnen Tauchgangsgruppen per Gesetz verantwortlich! Er ist verpflichtet, für jeden Tauchgang die Tauchgangsparameter: Tauchzeit, Tauchtiefe und eventl. Dekostops schriftlich fest zu halten. Der directeur de plongee muß mindestens Tauchlehrer CMAS ** Stern sein. Wer directeur de plongée ist, muß vorher festgelegt sein. Ist ausnahmsweise kein "directeur de plongeé" anwesend, dann dürfen nur *** CMAS Taucher zusammen tauchen gehen.
Gesetzliche vorgeschriebene Tauchtiefen
Vereinfacht gilt für die Tauchtiefe folgendes: Das Tauchen ist in 3 Tiefenbereiche
aufgeteilt: der flache Teil von 0m- 6m, der mittlere Teil von 6m- 20m und der tiefe Teil
von 20m 40m, diese Grenzen dürfen nur bei idealen äußeren Bedingungen um max. 5m
überschritten werden. Die endgültige Grenze für das Tauchen mit Luft ist bei 60m.
Grundsätzlich gilt eine CMAS 4**** Sterneregel im flachen Bereich, d.h. ein Taucher, der noch kein CMAS Brevet besitzt, kann bei Ausbildungstauchgänge zusammen mit einem Gold/ Übungsleiter bis 6m tief tauchen, am Ende seiner Ausbildung macht er dann Tauchgänge im mittleren Bereich, dann muß er zwingend von einem mind. TL1 begleitet werden. Sogenannte Lusttauchgänge kann er nur im flachen Bereich bis -6m machen.
Im Bereich 6m bis 20m kann man erst ab mind. * Stern CMAS tauchen, dann in Begleitung eines mind. 3*** Stern CMAS Tauchers. 2 CMAS 2** Sterntauchern zusammen in einer Gruppe, kann der directeur de plongèe erlauben im Bereich 6m bis 20m autonom zu tauchen.
Im tiefen Bereich von 20m bis 40m gilt eine CMAS 5***** Sterneregel, d.h. hier kann ein CMAS * Sterntaucher garnicht mehr tauchen. CMAS ** Sterntaucher müssen von einem mind. CMAS *** Sterntaucher begleitet werden. Tauchlehrer haben bei diesem Gesetz auch keine weitergehenden Befugnisse. Tiefer als 40m dürfen nur CMAS *** Sterntaucher tauchen. Tauchgänge mit Übungen im Bereich -40m müssen von einem TL*** CMAS begleitet werden!
Regeln für Taucher die nicht in dem CMAS Standart ausgebildet sind!
In dem arrêté von 1998 wird erstmals eine für ganz Frankreich verbindliche Regel festgeschrieben, wie Taucher zu behandeln sind, die nicht im CMAS Standart ausgebildet sind und die auch nicht in der offiziellen Äquivalenzenliste stehen.
Ein mind. CMAS ** Sterne Tauchlehrer muß mit einem oder mehreren Tauchgängen ermitteln, welche Äquivalenz der zu beurteilende Taucher nach den Regeln der FFESSM (Fédération francaise d`etudes et des sports sous marins) im Standartsystem der CMAS haben würde. "Evaluation" Das Ergebnis ist schriftlich festzuhalten und gilt nur vorübergehend solange der "Directeur de Plongee" nicht wechselt. Eine Äquivalenz kann nur bis höchstens CMAS ** Sterne bescheinigt werden. Das ist auch eine CMAS Regel, wonach z.B. Gold (CMAS *** Stern) nur direkt durch eine Prüfung im Mitglieds - Verband abgelegt werden kann.
In der Praxis bedeutet das zum Beispiel für einen Paditaucher: Er macht einen oder mehrere "Evaluationstauchgänge" bei einem mind. CMAS** Sterne Tauchlehrer. Der Tauchlehrer bescheinigt schriftlich, welches Brevet der Paditaucher im CMAS Standart haben könnte. So kann z.B. ein AOWD natürlich nie mit 15 Tauchgängen CMAS"Silber" äquivalent sein und er muß auch mind. 16 Jahre alt sein. Wenn der Tauchlehrer die Äquivalenz bescheinigt hat, dann gilt wieder wie oben die 4** Sterneregel bis -25m und ab 20m bis 45m eine 5* Sterneregel. In der Praxis heißt das, daß unser PADI Taucher bei Tauchgängen tiefer als 20m nur mit einem CMAS mind. *** Sternetaucher zusammen tauchen kann und der ist per Gesetz Gruppenführer. Der directeur de Plongeé ist für die Einhaltung dieser Gesetze verantwortlich.
Begründet wird das inoffiziell damit, daß die Ausbildungsregeln dieser Organisationen ja Tauchgänge nicht tiefer als 30m berücksichtigen und dekompressionspflichtige Tauchgänge verbieten, damit sind die Taucher auch nicht für Tiefen mit Dekompressionsrisiko ausgebildet. . Der directeur de Plongeé muß bei tiefen Tauchgängen (-20m) nochmals auf den Gebrauch der Deko Tabellen verweisen.
Taucht der PADI Taucher mit einem anderen "directeur de plongeé" dann braucht er eine neue Evaluation.
Hansi Hähner, VDST / CMAS TL 3, DIVIN´ GIENS, HYERES, Frankreich
Udo Nestler, VDST / IDA / CMAS TL 3, CLUB LÉO LAGRANGE, Camaret sur Mer, Frankreich
Nach "nur" 17 Jahren ( sic!) mehr oder weniger intensiver Diskussionen haben sich seit Januar 2002 der Französische Verband FFESSM und PADI geeinigt, zumindest auf dem Niveau OPEN WATER DIVER / CMAS * eine gegenseitige Akzeptanz einzuführen.
Mehr dazu auf den Seiten der PADI unter : http://deutsch.padi.com
Wenn es weiter so rasante Fortschritte gibt, erlebe ich vielleicht im Jahre 2036 im zarten Lebensalter von 82 Jahren die Äquivalenz des Divemasters zu CMAS*** ?!?!?! :-))