Die Tourismus-Werber für Zakynthos bauen auf die
Mittelmeer-Schildkröten, die ausgerechnet auf einigen Stränden dieser Insel jedes Jahr
im Frühjahr ihre Eier ablegen. Begrüßenswerte Umweltschützer versuchen, die Gelege vor
der überbordenden Tourismusentwicklung zu beschützen. Um August herum schlüpfen dann
die kleinen Karetta Karetta und streben (hoffentlich) ins offene Wasser.
Auch außerhalb dieser Zeiten findet man die Schildkröten überall, auf Fotos, als
Plüschtiere, aus Stein, Holz und natürlich Plastik, nur nicht im Wasser beim Tauchen.
Aber das hatten wir auch nicht wirklich erwartet. Reden wir also nicht weiter drüber.
Wahl von Zeit und Ort
Die Reisezeit Anfang Oktober erschien uns nach Erfahrungen aus Kroatien
und Gozo gut geeignet. Von Juni bis August ist es auch auf
Zakynthos zu heiß, vorher ist das Wasser zu kalt, und in der Hauptsaison überschwemmen
auch Touristen aus GB, I, D und vom griechischen Festland die Insel, wie wir dann hörten.
Im Sept/Okt ist es wesentlich entspannter in der Tauchbasis und den Tavernen, und es
lässt sich auch in der grünen Landschaft wandern. Allerdings kann auch das zunehmend
stürmische Wetter das Tauchen mit hohem Wellengang und schlechter Sicht behindern. Das
verstärkt sich im Oktober weiter. Ende Oktober verlässt deshalb auch der letzte
Ferienflieger die Insel. Viele Tavernen und Tauchbasen sind da schon geschlossen. Im
Winter bleiben die Einheimischen wohl unter sich. Dann machen sie den wenigen Kaninchen
und ermatteten Zugvögeln mit zahlreichen Schrotflinten den Garaus, haben wir gehört. Die
massenhaft rumliegenden Patronenhülsen lassen das durchaus glauben.
Die Insel ist sehr unterschiedlich
touristisch erschlossen. Der gebirgige Nordwesten hat eine herrlich grüne Vegetation und
Wandermöglichkeiten, aber wegen der hohen Steilküste kaum Strände und keine
touristischen Zentren. Die sind im Südosten um Zakynthos-Stadt, Laganas und Vassilikos.
Der Gipfel ist wohl Laganas, das eine unsägliche Ansammlung von Bretterbuden der
Vergnügungsindustrie ist. Aber auch zwischen Zakynthos-Stadt und Vassilikos im Osten
reiht sich auf einem schmalen Streifen ein Hotel an's andere, allerdings keine
Riesenkästen, obwohl die Strände nicht besonders attraktiv erscheinen. Was zieht die
Leute dahin?
Die Halbinsel um Keri in Südsüdost bildet (noch?) eine gewisse Ausnahme. Es gibt den (um
diese Zeit) ruhigen kleinen Hafen von Limni Keriou, in dem genügend Tavernen,
nette Ferienhäuser und auch zwei (u.a. deutschsprachige) Tauchbasen liegen, die Spots um
die Halbinsel herum und die kleine Insel Marathonissi anfahren, die aussieht wie eine
riesige Schildkröte. Welche von den Basen man nimmt,...? Der Ort scheint jedenfalls der
richtige, wenn man auf Zante tauchen will.
Anreise
Wir sind mit Air Berlin von Nürnberg direkt nach Zakynthos
geflogen. Man hätte auch mit Auto und Fähre hingelangen können, aber das wäre noch
mehr Stress gewesen. Es reichte schon so, denn in unserem Serviceland bekam man natürlich
keinen auch nur einigermaßen passenden Anschlussflug von Dresden, das ja einen hübschen
Flughafen hat, und auch keinen Zug der DB so früh am Morgen (Abflug 8:30 Uhr). Also nimmt
man einen zusätzlichen Urlaubstag, um passend nach Nürnberg zu kommen. Aber NUE ist ja
'ne nette Stadt...
Und die DB hat ja soo viele übersichtlich Sondertarife, ein Mietwagen oder das Parken in
NUE wären jedenfalls teurer gewesen.
Tauchgepäck-Transport mit AB war diesmal kein Problem, wir bekamen alles in unsere zwei
20-kg-Koffer, meldeten also kein Tauchgepäck an, und Regler, Lampe und Computer im
Handgepäck interessierten niemanden, auch ohne Anmeldung nicht.
Am Flughafen Zak. wartete schon unser kleiner Mietwagen, mit dem wir uns selbst
transferierten, zunächst in die Basis als Dreh- und Angelpunkt und dann in unser
Steilküstenhaus Bella Vista.
Unterbringung
Bella Vista hat uns ausnehmend gut gefallen und ist (bestimmt auch mit Kindern)
sehr zu empfehlen. Allerdings braucht man einen fahrbaren Untersatz, Auto oder Moped, wenn
man nicht immer den etwa einen Kilometer mit etwas Höhenunterschied zu Tauchbasis,
Tavernen, Supermärkten,... tippeln will.
Bella Vista ist ein auf hoher Klippe gelegener, relativ neuer, zweistöckiger, schöner
und zweckmäßiger Bau mit Ferienwohnungen mit 1 oder 2 Zimmern, Küche, Bad und
Terrasse(n). Es bietet herrliche Blicke über die Schildkrötenbucht und ins grüne
Gebirge und hat einen eigenen kleinen Badestrand ziemlich viel tiefer. Abends zirpen die
Grillen, morgens (sehr früh) krähen die Hähne, sonst ist fast nichts Störendes zu
hören. Dicht am Haus ist es schon schön bepflanzt, in der weiteren Umgebung könnte man
mal 'ne Gerümpelaktion machen.
Bella Vista gehört wie Tauchbasis und Taverne zum Imperium von Timo(theus), der auch das
Tauchboot führt. Er hat direkt im Ort noch weitere Ferienwohnungen, uns hat es aber hier
besser gefallen, zumal wir um die Zeit die einzigen Gäste im ganzen Haus waren.
In der Küche waren alle Gerätschaften, die man für Frühstück
und Imbiss braucht, so dass wir meist nur am Abend in eine der Tavernen gingen.
Lebensmittel bekommt man problemlos in den kleinen Supermärkten am Ort, preiswerter
allerdings in einem Li.l an der Straße Richtung Flughafen. Mit Auto oder Moped sind die
Entfernungen auf Zakynthos sehr überschaubar, es ist doch eine kleine Insel.
Ein Wermutstropfen in der Idylle waren (für uns) die griechischen Mücken. Im Haus sind
zwar Fliegengitter, und wir haben abends ausführliche Jagden veranstaltet. Trotzdem haben
es einige der winzigen Mistviecher meist geschafft, sich an unserem Ouzo-haltigen Blut zu
laben, und die Stiche jucken immer noch! Also unbedingt 'ne Mückenlampe und
Autan-Erzeugnisse mitnehmen.
Von der Badebucht aus kann man auch sehr bequem schnorcheln, vorgelagerte Felsen machen
das ziemlich interessant.
Auf Radio/Fernsehen oder gar WLAN muss man in Bella Vista verzichten, aber für 1 Woche
geht das gerade so.
Der Stromanschluss hat bei Sturm zwar etwas geflackert und fiel auch mal kurz aus, mit
Notebook aber kein Problem.
Tauchen
Sabine und Stefan managen die Tauchbasis Turtle Beach in entspannter und trotzdem
geordneter Atmosphäre. Mit meinem alten Zweischlauch-Regler zu tauchen, eine 15-l-Pulle
statt der üblichen 12 l zu bekommen usw. waren keine Probleme. Sie tauchen beide mit den
Gästen, die wie ich zu faul sind, auf den Weg zu achten, und sich gern die kleinen Dinge
uW zeigen lassen, die man als Lokalunkundiger einfach übersieht. Sowas wie ein
Checktauchgang entfällt, nach ein/zwei TG wissen die beiden, wohin ihre Schäfchen
gehören.
Getaucht wird entlang der Steilküste der
Halbinsel und nur vom Boot aus, das (bei geeignetem Wetter) gegen 9.30 und 14 Uhr
rausfährt. Flaschen und persönliche Ausrüstung bringt ein Transporter, der den Weg
wider Erwarten doch immer wieder schafft ;-), zum Boot, und dann wird gemeinsam
eingeladen. Das Boot ist für die Taucherei vernünftig ausgestattet, der Platz wird
in der Hochsaison aber wohl ziemlich knapp. Bei uns waren es zwischen 5 und 10 Tauchern,
was genügend Freiraum ließ. Es gibt eine ausführliche Tauchplatzbeschreibung und eine
gezielte Einteilung der Tauchteams. Die Anfahrt dauert zwischen 15 und etwa 30 min. Vor
Ort wird meist an selbst gesetzten Bojen festgemacht.
Die Ermahnung lautet, max. 30 m tief und bis zu 60 min oder 40 bar zu tauchen.
Selbständig loszuziehen ist kein Problem.
Die Tauchplätze sind typisch für die mediterranen Karstküsten. Man folgt dem
Küstenverlauf oder herausführenden Felszungen, kann in Grotten oder kleine Höhlen
eindringen (Lampe mitnehmen!) oder durch Tunnel tauchen. Die Fauna war erwartungsgemäß
relativ karg, Oktopusse, Muränen, Drachenköpfe, Gabeldorsche, bunte Schnecken,... gab's
aber doch ab und zu zu sehen.
Glanzpunkte für mich waren die Grotten und kleinen Höhlen, in denen das Wasser auch
meist deutlich klarer als vor der Küste war. Das durch den herbstlich stärkeren Wind
aufgewühlte Wasser nagt dort an dem Kalkstein und erzeugte manchmal eine milchige
Waschküche, siehe auch das Küstenfoto in der Galerie. Auf Gozo wär' das
nicht passiert, aus Kroatien kannten wir aber ähnliche Erscheinungen schon.
Für die Höhlen hatte ich nur meine kleine neue, dafür völlig ausreichende LED-Lampe
GS35 mit, die ich mir zugelegt hatte, weil meine Frau die ewigen Querelen beim Einchecken
mit meinem dicken Bleigel-Akku auf dem Flughafen
satt hatte ;-). Die Tauchbasis leiht aber auch Lampen aus.
Die Wassertemperatur lag tiefenunabhängig bei etwa 22°C, mein 5-mm-Longjohn mit Jacke,
ohne Kopfhaube und Handschuhe war dafür ideal, Shorty wäre doch wohl zu wenig gewesen.
Die Flaschen (12- und 15-l-Stahl, DIN oder INT
verfügbar) waren immer schön voll, die Filterkontrolle zu Hause zeigte, dass die Luft
auch i.O. war.
Nette Erscheinung am Rande, am Ankunfts- und Abreise-Tag gibt's traditionell ein kleines
Abendtreffen in Timos Taverne, wo man mit den gerade an der Basis Tauchenden Kontakte
pflegen kann.
Fazit Tauchen:
Volle Zufriedenheit mit der Basis, als Mittelmeer-Tauchgebiet gefielen mir aber Gozo und
auch die Liparischen Inseln besser.
Was gab's sonst noch so?
Eine Woche ist verdammt schnell rum, aber die wetterbedingten Tauchausfälle schufen etwas
Freizeit, in der wir mit dem Auto und zu Fuß die Insel erkundeten, was wirklich
interessant war wegen der berückenden Landschaften im Nordwesten.
Architektonische Historie ist nicht allzuviel vorhanden (oder waren wir nur unzureichend
informiert?), da die letzten Erdbeben nur Steinhaufen übrigließen, aber in
Zakynthos-Stadt z.B. lässt sich durchaus auch nett schlendern. Über die
Souvenir-Industrie kann man ja geteilter Meinung sein.

|